Zeitzeugen-Interviews zur Ausstellung
mit Lieselotte Kantner, Regina Gebhard und Erwin Andrä
Ausschnitte aus Gesprächen mit Christiane Hög und Cornelia Hentschel
Video-Dauer
ca. 24 min


die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung

25. März bis 30. August 2021
im Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25, 10999 Berlin

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Stiftung Industrie und
Alltagskultur mit dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge.

Logo Museum der Dinge

Projektleitende Kuratorin: Cornelia Hentschel
Kuratorische Mitarbeit: Renate Flagmeier
Ausstellungsgestaltung: Richard Anger, Jürgen Neugebauer
Ausstellungs- und Werbegrafik: GRAFISCH Berlin
Ausstellungstexte: Renate Flagmeier, Cornelia Hentschel,
Walter Scheiffele, Jens Semrau
Projektassistenz und Dia-Show: Peggy Truxa
Interviewfilm: Christiane Hög
Leihverkehr und Recherche Bildrechte: Rita Wolters
Vermittlung/Kulturelle Bildung: Dorothea Leicht
Rahmenprogramm: Renate Flagmeier, Frithjof Meinel, Jens Semrau
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Markus Hengelhaupt,
Cornelia Hentschel, Imke Volkers
Fotografie: Armin Herrmann
Reprofotografie: Johannes Kramer
Restauratorische Betreuung: Sabrina Zoppke
Ausstellungsproduktion/-technik: Jan Hendrik Arnold, Stephan Bauer,
Wiebke Hagenauer, Steffen Hahn, Maximilian Kloiber,
Christian Mayrock und Team Museum
Übersetzungen: Tony Crawford, Anna Cummings
Finanzen: Christel Barleben
Wir danken allen Leihgeber*innen:
Sammlung industrielle Gestaltung / Stiftung Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
Sächsisches Industriemuseum Chemnitz
Sammlung Richard Anger, Hoppegarten
Marianne Brandt-Gesellschaft e. V., Chemnitz
Deutsche Fotothek
Deutsches Architektur-Museum Frankfurt a.M.
Kunsthochschule Berlin-Weißensee
Nachlass Albert Krause, Fam. Krause, Halle (Saale)
Leipziger Messe GmbH, Leipzig
Privatarchiv Hein Köster, Berlin
Privatarchiv Susanne Schrader, Berlin
Archiv Lieselotte Kantner, Hamburg
Privatarchiv Uwe Stuck † und Thea Stuck, Zossen
Privatarchiv Cornelia Hentschel, Berlin
Privatarchiv Walter Scheiffele, Berlin
Privatarchiv Claudia Kubatzki, Berlin
Privatarchiv Anna Franziska Schwarzbach, Berlin

Logo Hauptstadt Kulturfonds

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds. Dieses Projekt wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage der von den Abgeordneten vom Berliner Senat beschlossenen Haushalte.

 

Für die Unterstützung von Ausstellung und Publikation danken wir:

Herzlichen Dank an alle weiteren Partner*innen und Helfer*innen.

 

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VERLÄNGERT BIS ZUM 30. AUGUST 2021!

die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung

Ausstellung vom 25. März bis 30. August 2021
im Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin

Klare, schnörkellose Formen und sorgfältig detaillierte Konturen zeichnen die Industrie-Entwürfe am Institut für industrielle Gestaltung 1950-1952 aus, entwickelt unter der Leitung des niederländischen Architekten und Designers Mart Stam. Stam, der in der Zwischenkriegszeit am Bauhaus und in der Sowjetunion wirkte, wollte nach dem Krieg diese funktionale Moderne in der Produktkultur der sowjetischen Zone bzw. der frühen DDR verwirklichen. Das Projekt des Transfers der Zwischenkriegsmoderne wurde schnell abgebrochen – Stam wurde von der DDR-Führung  als „Formalist“ bezeichnet und 1952 seines Postens als Leiter des Instituts enthoben. Aber der politische und vor allem ökonomische Druck führte Ende der 1950er Jahre zu einer neuerlichen Öffnung der DDR-Kulturpolitik zumindest auf der Ebene des Produktdesigns.
Die modernen Tendenzen in den Anfangsjahren der DDR werden noch bis Anfang August in der Ausstellung  „die frühen jahre“ im Werkbundarchiv in Kooperation mit der Stiftung industrie- und Alltagskultur vorgestellt.

https://www.museumderdinge.de/ausstellungen/die-fruehen-jahre-mart-stam-das-institut-und-die-sammlung-industrielle-gestaltung#/

Ausstellungsansichten siehe auch unter https://www.stiftung-industrie-alltagskultur.de/veranstaltungen/aktuelle/

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Formensprache in Geometrie und Theorie
Nachruf auf Prof. Alfred Hückler

Im Jahr vor seinem 70. Geburtstag würdigte eine Ausstellung „Mathematik Keramik Designgeometrie“ die Lehre von Prof. em. Alfred Hückler in dieser einzigartigen Fachdisziplin, die er selbst entwickelt hatte, „um damit einer formalen Willkür und Beliebigkeit in der Formentwicklung zu begegnen“(1). Für diese Ausstellung in der Urania Berlin (September bis Oktober 2000) hatte ich studentische Arbeiten der Kunsthochschule Berlin-Weißensee aus dem Lehrgebiet Designgeometrie zusammengestellt.  Prof. Alfred Hückler war Ingenieur, Industriedesigner und einer der wichtigsten deutschen Designtheoretiker, bedeutender Hochschullehrer und 1991 bis 1996 Rektor der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und in den letzten Jahren erfolgreicher konstruktivistischer Künstler mit umfangreichem Werk. Seine Lehre schloss mathematische, naturwissenschaftliche und technische Disziplinen mit Aspekten des Gebrauchs, der Funktionsweise und der Herstellbarkeit ein. Sie führte zu einem modernen Funktionalismus.
Mit seiner Lehre prägte er Generationen von Designabsolventen der KHB nachhaltig. Sein liberales Weltbild und seine Lehre eröffneten an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee einen Raum des freien Denkens, wie er in der ostdeutschen Hochschullandschaft nicht selbstverständlich war.
Er ist am 3. März, kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres nach langer, schwerer Krankheit in Berlin gestorben.

Der Berliner Alfred Hückler wurde am 25. April 1931 geboren. Er wuchs in einer Eisenbahnerfamilie in Berlin-Buchholz auf, machte nach dem Krieg Abitur, ging zum Studium der Feinwerktechnik an die Berliner Ingenieurschule Gauß, die er 1954 als Ingenieur abschloss. Von nun an konstruierte und entwarf er in der Industrie mechanische, optische und elektronische Geräte. Seit 1964 engagierte er sich in diversen Fachgremien und Jurys wie dem Forschungsrat und dem Rat für Gestaltung für interdisziplinäre Formenentwicklung. In enger Zusammenarbeit mit Professor Rudi Högner, der an der „Kammer der Technik“ einen zweijährigen Lehrgang zur Designausbildung von Ingenieuren mit der Schwerpunktsetzung Technisches Design ins Leben gerufen hatte, untersuchte Hückler systemisch orientiertes Entwerfen von Produkten und Prozessen. 1965 dann zum Leiter der zentralen Arbeitsgemeinschaft „Technische Formgestaltung“ der Kammer der Technik berufen, vermittelte Alfred Hückler in Lehrgängen, Entwurfsseminaren, Publikationen  Gestaltungsgrundlagen zu Gebrauch und Formfindung. Damit nahmen auch seine Beiträge zur Designtheorie und Fachpublizistik ihren Anfang. Folgerichtig legte Hückler 1971/1972 bei Prof. Rudi Högner zusätzlich ein Diplom auf dem Gebiet der industriellen  Formgestaltung an der Kunsthochschule Berlin ab.
Bereits 1970 holte Prof. Högner Alfred Hückler an die Weißenseer Hochschule. Ab 1970 durchgehend bis 1996 lehrte er hier Design als grundständige, integrierende und zugleich kooperative Disziplin einer „Ästhetik der Sachverhalte“, das Entwerfen und Gestalten von einfachen bis hochkomplexen Produkten. In dem von ihm schon 1978 in Berlin eingeführten Lehrgebiet Designgeometrie verband Hückler das Primat des Gebrauchens mit seinen extensiven Erkundungsarbeiten zur „Minimalform“ und zur Stapelform, zu Produktevolution, Designmethodik, Formanalyse, Formensprache, Designästhetik u.a. Mit über 70 Publikationen und seinen praktischen Hochschularbeiten nahm Alfred Hückler auch international auf die Vermittlung von Entwurfsprozessen Einfluss. Die grenzüberschreitende Wirksamkeit seiner Lehre konnte er besonders während verschiedener Lehraufträge und Seminare in Oslo, Rovaniemi, Prag und Raleigh überprüfen. Auch an den ICSID-Veranstaltungen in London, Moskau, Norwegen und Finnland nahm er teil. 1981 erhielt Alfred Hückler den Designpreis der DDR.
„Besondere Verdienste erwarb sich Alfred Hückler … nach dem Beitritt der ostdeutschen Länder zur Bundesrepublik als gewählter Rektor der Kunsthochschule Berlin“ für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Hochschule. „Der Umfang, die Tiefgründigkeit und die konsequente Lauterkeit, mit der sich in den 1990er Jahren die notwendigen Evaluierungen des Hochschulbetriebes in Berlin-Weißensee vollzogen, waren und bleiben nach Einschätzungen vieler Fachleute in ihrer Seriosität und Effizienz beispielhaft für die gesamte deutsche Hochschullandschaft.“ (2)

Seit 1981 vor allem entwickelte Alfred Hückler im Kontext seiner wissenschaftlichen Arbeit zur „Ästhetik der Sachverhalte“ seine Konstruktiven Grafiken und Skulpturen, die in Einzelausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und öffentlichen Sammlungen zur Konstruktiv-Konkreten Kunst gezeigt und gesammelt wurden, u.a. im Mies van der Rohe Haus Berlin, im Mathematikum in Gießen, im Museum Kulturspeicher Würzburg, im Kupferstichkabinett Dresden, im Landesmuseum Braunschweig.
Die Kunstwerke, die an signifikanten geometrischen Zusammenhängen formaler Gestaltung ausgerichtet sind, üben unvermeidlich auf jeden Rezipienten eine hohe Anziehungskraft aus. Entstanden sind sie, um eigenständige ästhetische Wirkungen in der Entwicklung von Grundgeometrien und Formanlagen bei der Produktgestaltung zu erkennen und zu variieren. Sie tun das mit schöpferischem Ideenreichtum, mit detailgenauer spielerischer Intensität und einer erstaunlichen visuellen Leichtigkeit.
Mit seiner Arbeit gelang es Alfred Hückler eine wegweisende Synthese zwischen Wissenschaft, Kunst und Industriedesign herzustellen.

Alfred Hückler hinterlässt einen umfangreichen Nachlass aus den verschiedenen Epochen seines Schaffens. Dabei sind Materialien aus seiner Lehre, Bildsammlungen seiner hoch geschätzten  Diavorträge und viele eigene Werke, die zum Teil bereits in Ausstellungen zu sehen waren.
Mit Alfred Hückler verliert die Design-Szene einen überaus renommierten und vor allem vielseitig anregenden Designtheoretiker, -lehrer und –wissenschaftler.

Cornelia Hentschel, 9. April 2021

(1) http://prof-alfred-hueckler.de/biografie.html
(2) Das große Lexikon DDR-Design, KOMET Verlag, Köln 2007, S.142
Foto: Alfred Hückler an seinem 80. Geburtstag 2011, Fotografie M. Sohn

„Geometriken“. Ernst Wasmuth Verlag. Tübingen 2014. Gestaltung, Satz: Thomas Hofmann

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Ausstellung der Stiftung Industrie und Alltagskultur vom 25. März bis 02. August 2021
im Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin

die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung

          

Nach langer Verschiebung können wir am 25. März die Ausstellung unter den geltenden Hygienemaßnahmen öffnen. Der Einlass in das Museum ist momentan nur mit einem Online-Ticket möglich. Der Vorverkauf beginnt ab sofort unter https://www.museumderdinge.de/online-tickets#/

Die Ausstellung die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung widmet sich der Aufbruchsphase der industriellen Gestaltungskultur in der DDR und dabei insbesondere dem Engagement des niederländischen Architekten Mart Stam für eine konsequente Modernisierung der Produktwelt. Das von Stam 1950 an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee gegründete Institut für industrielle Gestaltung prägte das ostdeutsche Design nachhaltig. Alltagsgegenstände sollten sowohl funktionsgerecht gestaltet, industriell herstellbar sowie von hoher Qualität sein. Die Ansätze Mart Stams und seines Kreises bestechen hierbei durch eine am Funktionalismus orientierte Klarheit. Das kurzzeitige, jedoch nachhaltige Wirken Mart Stams an der Berliner Hochschule stand unter ungünstigen Vorzeichen. Seitens der SED-gelenkten Kulturpolitik der DDR sah sich Stam – als Verfechter der modernen Form in der Bauhaus-Tradition – schon bald mit dem Vorwurf des „Formalismus“ konfrontiert. Mitte 1952 wurde er seines Postens als Institutsleiter enthoben und verließ kurze Zeit später die DDR.

die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung zeigt kaum bekannte
Entwurfszeichnungen, Modelle und Produkte aus jener Aufbruchsphase des ostdeutschen Designs, darunter Originalskizzen von Mart Stam und dessen Mitarbeiter*innen am Institut wie Marianne Brandt und Max Gebhard.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt der Stiftung Industrie- und Alltagskultur mit dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge und wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert.

English Version
After a long break, we will be able to open the exhibition on March 25 under the current hygiene regulations.
For the time being, admission to the museum is only possible with an online ticket. Pre-sales start now.
the early years. mart stam, the institute and the collection industrial design
2020_MDD_Pressemappe_Die frühen Jahre_DEU_6
2020_MDD_Pressemappe_Die frühen Jahre_DEU_2
Duration: 25 March to 2 August 2021
The Exhibition the early years. mart stam, the institute and the collection industrial design is devoted to the emergent phase of East German industrial design culture, and in particular to the Dutch architect Mart Stam’s advocacy of a thoroughgoing modernization of the product world.
The Institute of Industrial Design, founded by Stam in 1950 at the College of Applied Arts in the eastern borough of Weißensee, Berlin, had a lasting influence on East German product design. The Institute was dedicated to the design principles of function, industrial manufacturing, and high quality. The approaches of Mart Stam and his circle stand out in terms of their clarity.
Mart Stam’s brief but influential engagement at the design institute was ill-fated: as a proponent of modern design in the Bauhaus tradition, Stam was soon accused of “formalism” by the Party-controlled institutions of East German cultural policy. In mid-1952, he was dismissed as director of the institute, and he left East Germany a short time later.
the early years. mart stam, the institute and the collection  industrial design is the first major exhibition in this thematic context to present little-known drawings, models and products from the early phase of East German design, including original sketches by Mart Stam and his colleagues at the institute like Marianne Brandt and Max Gebhard.

The exhibition is a cooperation project of the Stiftung Industrie- und Alltagskultur with the Werkbundarchiv – Museum der Dinge and is supported by the Hauptstadtkulturfonds.

Abb. 1: Kragstuhl aus Gasrohren, Vormodell, entworfen von Mart Stam 1926, Rekonstruktion Richard Anger 2020, 1927 zeigte Mart Stam den Prototyp seines weiter entwickelten Kragstuhles in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung, Sammlung Stiftung Industrie- und Alltagskultur, Foto: Armin Herrmann.
Abb. 2: Stapelkännchen, Entwurf: Albert Krause, 1950/51, Institut für industrielle Gestaltung, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Sammlung industrielle Gestaltung, Foto: Johannes Kramer.

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AUSSTELLUNG UND PUBLIKATION
„die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung“ 
Geplante Laufzeit der Ausstellung vom 25. März 2021 bis 02. August 2021
im Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin

Die Ausstellung „die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung“ soll nach mehrmaliger Verschiebung in der Zeit vom 25. März 2021 bis 02. August 2021 für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Wir hoffen, dass der Termin gehalten werden kann, letztlich sind wir von der Pandemieentwicklung und deren Folgen abhängig.

Die begleitende und gleichlautende Publikation, herausgegeben von Cornelia Hentschel, Walter Scheiffele, Jens Semrau im Auftrag der Stiftung Industrie und Alltagskultur (Hg.) anlässlich des 30jährigen Gründungsjubiläums der Stiftung, liegt bereits vor und ist bei der Stiftung Industrie- und Alltagskultur, im Buchhandel sowie beim LUKAS Verlag zu erwerben (ISBN 978-3-86732-377-2, Preis 36,– €).
Ausstellungsbegleitband mit Beiträgen von Hildtrud Ebert, Renate Flagmeier, Thomas Flierl, Cornelia Hentschel, Hein Köster, Ann Kristin Kreisel, Werner Möller, Walter Scheiffele und Jens Semrau.

Die Ausstellung DIE FRÜHEN JAHRE. MART STAM, DAS INSTITUT UND DIE SAMMLUNG INDUSTRIELLE GESTALTUNG thematisiert die Aufbruchsphase der industriellen Gestaltungskultur in der DDR und insbesondere die Arbeit Mart Stams für eine konsequente Modernisierung der Produktwelt und die institutionelle Förderung einer neuen Industriekultur. Um 1950 bestanden innerhalb einer durch Kriegsfolgen bedingten Mangelwirtschaft vielerlei Gestaltungsintentionen, Produktformen, Entwicklungsstadien nebeneinander. Die Klarheit der Ansätze Stams und seines Kreises steht erkennbar für sich. Das Institut für industrielle Gestaltung prägte in der kurzen Zeit seines Bestehens von 1950 bis 1952 mit seiner starken Ausrichtung auf eine industrielle, funktions- und technologiegerechte, gleichzeitig gediegene und bescheidene dauerhafte Gestaltung von Alltagsgegenständen maßgeblich das ostdeutsche Produktdesign, nachwirkend bis in die späten Jahre der DDR. Betrachtet wird aber auch die Folgeentwicklung, als das umbenannte Institut für »angewandte Kunst« weniger moderne, dafür
mehr handwerklich-dekorative Formen durchzusetzen versuchte. Die Ausstellung wird die konfliktreichen kulturpolitischen Verhältnisse und das Nebeneinander von modernen und weniger modernen Gestaltungstendenzen verdeutlichen.
Buchtitel. Layout: Grafisch, Berlin 2020. Abb.: Entwurfszeichnung Stapelkännchen von Albert Krause, Institut für industrielle Gestaltung, 1950; Signet des Institutes für industrielle Gestaltung.

Das Kooperationsprojekt wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert.

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VERSCHOBEN!!
DIE FRÜHEN JAHRE. MART STAM, DAS INSTITUT UND DIE SAMMLUNG INDUSTRIELLE GESTALTUNG      
Eröffnung der Ausstellung am 21. Januar 2021 im Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin 

Ab 21. Januar 2021 zeigen wir in Kooperation mit dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge die Ausstellung DIE FRÜHEN JAHRE. MART STAM, DAS INSTITUT UND DIE SAMMLUNG INDUSTRIELLE GESTALTUNG zur Aufbruchsphase der industriellen Gestaltungskultur in der DDR und insbesondere zur Arbeit Mart Stams für eine konsequente Modernisierung der Produktwelt und die institutionelle Förderung einer neuen Industriekultur. Um 1950 bestanden innerhalb einer durch Kriegsfolgen bedingten Mangelwirtschaft vielerlei Gestaltungsintentionen, Produktformen, Entwicklungsstadien nebeneinander. Die Klarheit der Ansätze Stams und seines Kreises steht erkennbar für sich. Das Institut für industrielle Gestaltung prägte in der kurzen Zeit seines Bestehens von 1950 bis 1952 mit seiner starken Ausrichtung auf eine industrielle, funktions- und technologiegerechte, gleichzeitig gediegene und bescheidene dauerhafte Gestaltung von Alltagsgegenständen maßgeblich das ostdeutsche Produktdesign, nachwirkend bis in die späten Jahre der DDR. Die Ausstellung wird die konfliktreichen kulturpolitischen Verhältnisse und das Nebeneinander von modernen und weniger modernen Gestaltungstendenzen verdeutlichen.
Abb.: Entwurfsarbeiten für keramische Erzeugnisse, entstanden zum überwiegenden Teil unter der Leitung von Mart Stam.
Foto: Franziska Adebahr.

Das Kooperationsprojekt wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert.

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Ausstellung im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Schloss Pillnitz | 27.06. – 1.11.2020
SCHÖNHEIT DER FORM. DIE DESIGNERIN CHRISTA PETROFF-BOHNE

Hotel- und Tafelgeräte, Entwurf 1959-1962, Herstellung VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke ab 1961, Chromnickelstahl
Foto: Georg Eckelt

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Ausstellung im Bauhaus-Gebäude Dessau | 26.06–23.08.2020
BAUHAUS SHANGHAI STALINALLEE HA-NEU | Der Lebensweg des Architekten Richard Paulick

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DIE VERANSTALTUNG WIRD WEGEN DER CORONA-EPIDEMIE VERSCHOBEN

Sonderausstellung „HORST HARTMANN – Form Funktion Farbe“ im Museum Formgestaltung in der DDR / Wernigerode, Gießerweg 2a
Eröffnung am 22. März 2020 um 13 Uhr

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Die Sonderausstellung „Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“ geht in die Verlängerung! Die Ausstellung wird noch bis zum 8. März 2020 in Eisenhüttenstadt zu sehen sein

 
Zur Feier der verlängerten Laufzeit der Sonderausstellung „Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“ wird Günter Höhne am Sonntag dem 23. Februar 2020 um 14 Uhr mit einem Vortrag über den Bauhäusler und DDR-Formgestalter Robert Lenz in Eisenhüttenstadt zu Gast sein.
Günter Höhne stellt überraschende Recherche-Ergebnisse zum Lebens- und Schaffensweg des heute weithin unbekannten Bauhäuslers, Architekten und Formgestalters Robert Lenz vor. Lenz, 1907 im baden-württembergischen Schopfheim geboren und 1964 in Berlin-Lichtenberg gestorben, studierte am Bauhaus in Dessau. In den ersten Nachkriegsjahren wurde er als Architekt hoch gelobter Siedlungs- und Schulbau-Projekte besonders in Brandenburg aktiv, fiel aber 1950 der so genannten „Formalismusdebatte“ in der DDR zum Opfer. Ab Ende der 1950er Jahre arbeitete Robert Lenz als freiberuflicher Industrieformgestalter. In dieser Zeit verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Holzbildhauer Hans Brockhage, an dessen Schwarzenberger Wohn- und Atelierhaus-Umbau er als Architekt maßgeblich mitarbeitete. Zeugnisse von Lenz‘ Architekturschaffen in Brandenburg sind noch heute u.a. im Park Babelsberg mit drei Laubengang-Studentenwohnheimen sowie auf dem Gelände der Europa-Schule in Storkow präsent.
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Ausstellung „Nur Beton? Moderne in Neubrandenburg“
vom 12. November 2019 bis zum 16. Februar 2020 im Regionalmuseum Neubrandenburg, Franziskanerkloster

 Nur Beton? Nur Beton? S.2
 
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Kunstsammlungen Chemnitz beschließen den Erwerb der Sammlung Prof. Karl Clauss Dietel

Die Stiftung Industrie- und Alltagskultur konnte im Kontakt mit der Oberbürgermeisterin in Chemnitz die Übernahme der Sammlung Dietel aktiv unterstützen. So schreibt Karl Clauss Dietel am 27.12.: „… großen dank … der STIFTUNG für die unterstützung durch euren brief an unsere OB wegen überlassung meiner sammlung. das hat nun endlich ein gutes ende gefunden, kurz vor weihnachten unterschrieb ich den vertrag dazu bei den kunstsammlungen….“

Aus der Begründung des Kulturauschusses Chemnitz vom 26.9.2019 (sinngemäß wiedergegeben):
Prof. Karl Clauss Dietel gehört zu den bekanntesten und wichtigsten deutschen Formgestaltern. Er entwarf beliebte und heiß begehrte DDR-Klassiker, wie die SIMSON MOCKICKS S 50/51 und den SIMSON-ROLLER SR50 zusammen mit Lutz Rudolph. Dietel entwickelte den GRUNDENTWURF für den WARTBURG 353 und mit Lutz Rudolph die INNENGESTALTUNG. Für die Sachsenring Automobilwerke Zwickau/Automobilwerk Eisenach gestalteten Dietel und Rudolph sieben TRABANT-NACHFOLGEENTWÜRFE. Auch ihre HELIRADIO-Rundfunkgeräte sind heute zu Design-Klassikern avanciert. Auf Karl Clauss Dietel gehen sämtliche Entwürfe der ERIKA-SCHREIBMASCHINEN zurück. Als führender Formgestalter erhielt Dietel 2014 den Bundesdesignpreis für sein Lebenswerk. Dietel habe, so die Jury, die ostdeutsche Designentwicklung bis zur Jahrtausendwende maßgeblich mitgeprägt.

Dietel nahm an zahlreichen (inter)nationalen Ausstellungen teil und wurde mit vielen Preisen und Ehrungen bedacht. Der Hauptteil seiner freien künstlerischen Arbeiten findet sich in Chemnitz im öffentlichen Raum, u.a. vor dem Sächsischen Industriemuseum, in der Oper, am Grab von Marianne Brandt und am Haus des Schriftstellers Stefan Heym, um nur einige Standorte zu nennen. Seine Designklassiker sind in bedeutenden Museen deutschlandweit vertreten, wie der Pinakothek der Moderne in München, dem Haus der Geschichte in Bonn, dem Kunstgewerbemuseum Dresden, dem Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig, der Sammlung für Industrielle Gestaltung Berlin oder dem Museum August Kestner in Hannover.   

Die Kunstsammlungen Chemnitz sichern mit dem Erwerb die außerordentliche Sammlung Dietel als herausragendes Konvolut der Designgeschichte für die Stadt und die Region. Mit der Übernahme verbindet sich das Ziel, neben den Prototypen und Modellen insbesondere auch das zeichnerische Œuvre zusammen mit dem Gestalter zu dokumentieren. Karl Clauss Dietel, der am 10. Oktober 2019 seinen 85. Geburtstag beging, ist vital daran interessiert, seine Sammlung in »gute Hände« und »kommentiert“ zu übergeben.  Für die Kunstsammlungen Chemnitz und das Sächsische Industriemuseum wird mit dem kommentierten Erwerb der Sammlungsbestand im Bereich Design und industrielle Formgestaltung der DDR und darüber hinaus entschieden und profilbildend gestärkt. 
Die Sammlung Dietel soll in den Museen der Stadt Chemnitz dauerhaft präsentiert werden sowie für (inter-)nationale Ausstellungsvorhaben und Forschungen zur Verfügung stehen.

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18:00 Uhr  Begrüßung: Beate Gerlings, Botschaftsrätin für Kultur und Kommunikation Botschaft des Königreichs der Niederlande.
Dr. Angela Schönberger, mart stam stiftung für kunst und gestaltung, Berlin. Direktorin Kunstgewerbemuseum Berlin a.D.
18:20 Uhr  Dr. Werner Möller, Stiftung Bauhaus Dessau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kuratorische Werkstatt Leben in der Box – Die Suche nach dem rechten Maß. Die frühen Jahre von Mart Stam: Berlin, Schweiz, Stuttgart Weißenhofsiedlung, Bauhaus Dessau, Frankfurt a. M. Hellerhofsiedlung,  Emma Budge Heim.
18:45 Uhr  Anna Abrahams und Jan Frederik Groot, Amsterdam »Building the van Nelle factories«(1991). Filmausschnitt.
18:55 Uhr  Joris Molenaar, Architekt, Rotterdam.  Weltkulturerbe: Die Van-Nelle-Fabrik (1925–1930) in  Rotterdam von Johannes Brinkman und Leendert van der Vlugt unter Mitarbeit von Mart Stam. Vortrag und gemeinsames Gespräch mit Anna Abrahams und Jan Frederik Groot, Eye Filmmuseum Amsterdam.
19:30 Uhr  Dr. Thomas Flierl, Kulturwissenschaftler, Berlin. Mart Stam 1930–1934 in der Sowjetunion: Projekte, Institutionen, Konflikte.
19:50 Uhr  Anna Abrahams und Jan Frederik Groot, Amsterdam »Sotsgorod: Cities for Utopia«(1995).  Filmausschnitt zu Stadtplanungen in der Sowjetunion u.a. zu Magnitogorsk.
20:00 Uhr  Diskussion; anschließend Empfang
 
Ort: Botschaft des Königreichs der Niederlande Berlin, Klosterstraße 50, 10179 Berlin.

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Über A. B., den Grafiker der Vielfalt

Im Jahre 2001 wurde ich gefragt, ob ich über eine Ausstellung von Axel Bertram in der Leipziger Deutschen Bücherei schreiben würde. In dem Jahr feierte A. B. seinen 65. Geburtstag und blickte auf über vierzig Jahre gebrauchsgrafischen Schaffens zurück. Später übergab er, als dieser Ausstellung Teile seines Vorlasses an das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig. Im Text war zu lesen: „A. B. arbeitete in vielen Bereichen, immer mit vollem Engagement, die Herausforderung des Neuen suchend, sich ihr stellend, kritisch prüfend und diese akribisch erfüllend. Er erweist sich als vielseitiger Gebrauchsgrafiker, der seiner Berufsbezeichnung alle Ehre macht. Der Gebrauch von Drucksachen wird durch sein künstlerisches Tun erleichtert, vielfach erst möglich. Was wäre ein Buch ohne die Schriftzeichen, die der Typograf in eine Ordnung bringt, der Illustrator den Text mit seiner Sicht auf den Inhalt bereichert, was wäre eine Zeitschrift ohne ordnendes und gliederndes Layout, ohne eine klare unverwechselbare Titelzeile?“ 1

In der Tat, seine Entwürfe haben jeden begleitet, unbewusst das ästhetische Empfinden der Betrachtenden geprägt. Ein jeder Bürger der DDR hatte die von ihm entworfenen Geldstücke irgendwann einmal sowohl das 20-Pfennig-Stück und die 5-Mark-Münze in der Hand, als auch Sondermünzen zu Jubiläen oder Gedenktagen. Mindestens jede zweite Bewohnerin der DDR ist mit der Wochenpost oder der SIBYLLE groß geworden oder hat eine Titelgrafik auf der NBI oder des neuen leben bewundert. Die Logos für das Jugendradio DT 64, das Berliner Metropol-Theater, das visuelle Erscheinungsbild für die X. Weltfestspiele in Berlin 1973 oder die Staatlichen Museen zu Berlin kannte ein jeder, ebenso wie die Briefmarken Rassegeflügel oder Historisches Spielzeug, gedruckt in gigantischen Auflagen. Der Gebrauchsgrafiker A. B., ist am 16. März, kurz vor seinem 83. Geburtstag, nach langer, schwerer Krankheit in Berlin gestorben.

A. B. kam aus Dresden. Er wurde am 26. März 1936 in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren und wuchs im sächsischen Freital auf. Hier ging er in die Schule, machte Abitur, arbeitete eine kurze Zeit als technischer Zeichner. An die Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee ging er zum Studium von 1955 bis 1960. Bei den Professoren und Arno Mohr, Werner Klemke, Ernst R. Vogenauer und Klaus Wittkugel bekam er das notwendige Rüstzeug für ein Leben als umfassend gestalterisch tätiger Gebrauchsgrafiker. Gleich nach dem Studium fanden sich die Absolventen A. B., Jo Fritsche, Gisela Röder und Klaus Segner zusammen und gründeten die Gruppe 4. Nach dem Ausscheiden von Jo Fritsche 1962 kam Thomas Schleusing hinzu, später Hans-Joachim Schauß. Das Grafikerkollektiv war sehr erfolgreich, auch in der Plakatgestaltung, vor allem für das Metropol-Theater und den Progress-Film-Verleih – unvergessen sind A. B.s Blätter zu den Filmen Der Leopard, Der gewöhnliche Faschismus oder zu Theaterstücken wie My fair Lady oder Die Csardasfürstin.
Nun ist nur Klaus Segner noch unter den Lebenden.

1972 ereilte A. B. der Ruf an die Hochschule in Weißensee, diesmal lehrend. Als Professor trug er von 1977 bis 1992 (mit kurzer Unterbrechung Ende der 1980er Jahre) Wesentliches zur Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses bei. Seine freischaffende Tätigkeit blieb davon unbeeinträchtigt. A. B. entwarf Schriften 2 schrieb Bücher mit der Hand 3, gestaltete und illustrierte zahlreiche Bücher unterschiedlichster Genres. Stets sah er sich in der grafischen Arbeit als Dienender, welcher sich künstlerisch der Aufgabe nähert, eine Handschrift entwickelt, diese jedoch nicht in den Vordergrund, sondern in den Dienst der zu gestaltenden Aufgabe stellt – zum Wohle der Benutzung.

Einen wesentlichen Teil seiner Zeit verbrachte A. B. mit theoretischen  Überlegungen zur künstlerischen Tätigkeit und zur Kunst des Gestaltens. In der Monografie über sein Schaffen 4 werden über 120 theoretische Aufsätze zur Kunst- und Kulturgeschichte und Buchpublikationen aufgelistet. Sie reichen von Betrachtungen zu Buch, Fotografie, Illustration, Kunstgewerbe bis Mode, Plakat, Schrift oder der Arbeit von Kollegen.

In meinen Augen sein bedeutendstes theoretisches Werk erschien 2004: Das
wohltemperierte Alphabet. 5 A. B. verstand es, dem interessierten Laien, ebenso unterhaltsam wie wissend, über ca. 500 Jahre Schriftgeschichte mit zahlreichen gründlichst recherchierten Fakten, einen Überblick zu verschaffen. Gänzlich verzichtete er auf das Dozieren, sondern trug Biographisches und Historisches zusammen. A. B. erklärt, macht noch unbeschriebene Zusammenhänge deutlich und lässt verblüffende Vergleiche zu. Das Buch bringt umfangreiches enzyklopädisches Wissen für die interessierten Schriftbetrachter in einen überschaubaren Kontext. Unter diesem Gesichtspunkt wünschte man sich aus gleicher Feder eine Aufarbeitung der unzähligen Schriftschöpfungen, die nicht mehr für den Bleisatz, sondern die digitalen Techniken entstanden, auch um Bleibendes von Modischem und schnell Überholtem zu trennen. Diese Arbeit muss nun ein anderer übernehmen. Mit Axel Bertram verliert die Design-Szene einen wichtigen und vor allem vielseitigen Gebrauchsgrafiker und Kulturtheoretiker, der mit Bleistift, Feder oder Pinsel ebenso vortrefflich umzugehen verstand, wie mit dem geschriebenen und gesprochenen Wort.

Sylke Wunderlich, 26. März 2019

1 Sylke Wunderlich: Axel Bertram – Gebrauchsgrafik aus vier Jahrzehnten. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 70/2001, 31. August 2001, S. 465–467.
2 Sans Serif 1962/63, Venezia und Lutezia 1976-1982, videtur 1983-1986, Lucinde 1997-1999, Salomo 1999, Lindenau 1999,
Dandy 1999, Rabenau 2003-2012, 2011-2012 Vireo (Ausbau zu open-Type-Fonts mit Andreas Frohloff)
3 Goethe. Buch Suleika aus dem westöstlichen Diwan. Herausgegeben und gestaltet von Axel Bertram. Verlag der Nation
Berlin, 1982; Das Hohe Lied Salomo. Sammlung althebräischer Liebes und Hochzeitslyrik in der Übersetzung von Martin
Luther. Mit der Feder geschrieben und mit allerlei Anmerkungen versehen von Axel Bertram. Verlag der Nation Berlin, 1983
4 Axel Bertram. Grafisches Gestalten in fünf Jahrzehnten. Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Mathias
Bertram. Lehmstedt Verlag Leipzig, 2012
5 Axel Bertram: Das wohltemperierte Alphabet. Eine Kulturgeschichte. Faber & Faber Leipzig, 2004

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Plakat zur Ausstellung

Ausstellung: alltag formen ! bauhausmoderne in der ddr

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Designzentrum – Werkstatt für Glasgestaltung Weißwasser

Friedrich Bundtzen und seine Mitarbeiter

Mit einer neuen Sonderausstellung geht die Stiftung schon vor dem offiziellen Start am 1. April in die diesjährige Saison. Im Bauhausjahr kehrt sie zu einer Lausitzer Marke zurück, dem Lausitzer Glas. Dieses ist seit 2012 mehrfach mit verschiedenen Schwerpunkten seiner Design- und Produktions- geschichte in Ausstellungen der Stiftung präsentiert worden. Die nunmehr vierte Ausstellung legt den Schwerpunkt auf die Zeit von 1950 bis 1990 und „präsentiert einen Höhepunkt der industriellen Formgestaltung“, wie Kurator und Leihgeber Sigfried Kohlschmidt betont. Die von Bauhausmeister Wilhelm Wagenfeld inspirierte, 1950 gegründete Werkstatt für Glasgestaltung Weißwasser war für 20 Jahre das Designzentrum der Lausitzer Glasindustrie. Geleitet wurde es von Friedrich Bundtzen. Unter seiner Leitung entstanden Gläser, die bereits in den Jahren ihrer Produktion internationale Anerkenn- ung genossen und heute teilweise als Designklassiker der DDR-Zeit gelten. Die über 500 Leihgaben kommen aus Museen in Weißwasser, Cottbus und Dresden. Den größten Teil aber haben die Kuratoren der Ausstellung und Designsammler Richard Anger, Berlin, und Siegfried Kohlschmidt, Cottbus, zusammengetragen.

Fotos: Richard Anger

Ausstellungszeitraum: 9. März bis 12. Mai 2019

Öffnungszeiten im Neuen Schloß Bad Muskau:
9. März 2019 bis 31. März 2019, immer Mittwoch bis Sonntag, 11–16 Uhr, sowie
1. April 2019 bis 12. Mai 2019, täglich 10–18 Uhr

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Buchpremiere – Buch über Erich John erschienen

Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der URANIA-Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz, die seit dem 13.07.2015 unter Denkmalschutz steht, fand am 25.2.2019 die Buchpremiere „Weltzeituhr und Wartburg-Lenkrad“ vom Jaron-Verlag im Kulturkaufhaus Dussmann statt. Die Buchautorin Heike Schüler und Prof. Erich John stellten in einem spannenden Gespräch und mit Lesungen die Entstehung von Buch und Weltzeituhr und die Arbeit von Erich John als Formgestalter und Lehrender an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee vor.

Buchpremiere am 25.2.2019 im Kulturkaufhaus Dussmann / Foto: Cornelia Hentschel

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buch-schueler

Nachruf | Johannes Gunter Schober 16.01.1946-24.07.2017

Obwohl schon seit längerer Zeit kein direkter Kontakt mehr bestand und Informationen nur per Buschfunk bei mir ankamen, hat mich die Nachricht vom viel zu frühen Ableben meines einstigen Kollegen, Kumpels, Mitstreiters und Vorgesetzten Gunter Schober überrascht.

Eine langwierige Krankheit hatte ihn zum Überleben auf die Kanaren gezogen, wo er schließlich auch verstorben und begraben ist. Bei unserer letzten Begegnung in Bautzen vor ca. 20 Jahren war seine große Enttäuschung über die erhofften Möglichkeiten als Gestalter in der Marktwirtschaft und die möglicherweise bereits ausgesprochene Diagnose zu seiner Gesundheit deutlich spürbar. Von seiner Zuflucht in eine gefälligere Region erfuhr ich auch wieder über den Buschfunk und konnte ihn, der stetig rastlos auf der Suche nach Leben war, voll verstehen und seine Entscheidung dazu auch nachvollziehen. Nur ca. 9 Jahre haben wir gemeinsam versucht, die Welt gestalterisch zu verbessern, aber diese Jahre hatten es in sich: 1973 war ich im 4. Studienjahr an der Burg Giebichenstein in Halle mit meinem Vordiplom beschäftigt und gleichzeitig auf der Suche nach einem Diplomthema sowie einer Arbeitsstelle nach dem Studium, da bot mir Gunter Schober an, nach Singwitz bei Bautzen zum Landmaschinenkombinat Fortschritt zu kommen. Ein Diplom-Thema war auch dabei.

Ursprünglich auf meine heimatliche Altmark fixiert, reizte mich aber das Thema Landmaschinen im unbekannten Ostsachsen und die Zusammenarbeit mit diesem umtriebigen Typen, so dass ich schließlich nach dem Studium 1974 meinen Job sowie den künftigen Lebensmittelpunkt samt Familie in Bautzen an der Seite von Gunter Schober fand. Damit begann eine aufregende und sehr intensive Zeit. Obwohl wir anfangs alles andere als optimal im Entwicklungsprozess bei „FORTSCHRITT“ eingebunden waren, bastelte Gunter Schober von Beginn an auf die Anerkennung der Formgestaltung als wesentlichem Bestandteil der Erzeugnisentwicklung hin. In der ersten Zeit war unser gestalterisches Streben in den Konstruktionsbüros wenig beliebt. Da war Schobers selbstbewusstes Auftreten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen oftmals auch Türöffner für unsere gestalterischen Ambitionen. Ich meinerseits konnte davon nur profitieren und nutzte die Erfahrungen für meine eigene, später auch eigenständige Entwicklung.

Kontinuierlich bastelte Gunter an der Entwicklung unserer zunächst kleinen gestalterischen Einheit. Als erstes konnte der Modellbauer Erhard Noack, der schon als Projektbearbeiter unserer erweiterten Arbeitsräume gute Dienste geleistet hatte, in das Team integriert werden. Es folgten Dipl.-Formgestalter Stephan Levko und weitere Mitarbeiter im technischen und organisatorischen Bereich, bis schließlich die Kombinats-Neugründung 1978 zu seiner Ernennung als Chefgestalter des Kombinates führte. Damals stießen die Gestalter-Kollegen Achim Grund, Wolfgang Lippmann, Arndt Schubert und Hans-Joachim Koitsch, mit denen wir auch im Vorfeld schon zusammengearbeitet haben, zu uns. Gunter als neu ernannter Chefgestalter meisterte die Situation ohne Anspruch auf die logische Führungsposition. Als ich Ende 1982 das Gestaltungsbüro in Singwitz aus eigenem Antrieb verließ, war Gunter Schober offensichtlich auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn. Als krönender Abschluss seiner Entwicklung könnte der Designpreis der DDR 1988 gesehen werden. Danach lief es wohl nicht mehr ganz so gut… Ich habe aus dieser Zeit mit G.S. sehr viel für mein späteres Gestalter-Leben mitgenommen und hoffe, dass wir ihn nicht so schnell vergessen.

Rüdiger Laleike
Dipl.-Fomgestalter

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Nachruf | Angelika Petruschat 1956–2018

Angelika Petruschat wurde 1956, 11 Jahre nach dem vorletzten deutschen gesellschaftlichen Zusammenbruch, geboren. Den letzten hat sie auf ihre Weise und mit großem Engagement mitgestaltet. Und zwar in einem Geiste, der auch schon ihre Arbeit, ihre Studien vor 1989 bestimmt hatte. Von der Aufbaugeneration bekamen die nach 1945 Geborenen das Ethos, eine neue Gesellschaft aufzubauen, die niemals wieder in eine solche Katastrophe führen würde, wie das in der jüngsten Vergangenheit zweimal geschehen war. Die „Zweite Generation Ost“ aber wollte einen anderen, richtiger ausgedrückt, einen weiterentwickelten, modernen und nichtautoritären, demokratischen Sozialismus. Im Bereich Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie bis 1983 studierte, fand Angelika Petruschat einen Kreis von Lehrenden und Mitstudierenden vor, in dem sie die geistigen Anregungen dafür bekam. Wolfgang Heise, Lothar Kühne, Karin Hirdina und andere gehörten zu ihren ProfessorInnen.

Nach dem Studium begann Angelika Petruschat ihre Arbeit bei form+zweck, der Fachzeitschrift für Design in der DDR. Die Zeitschrift war in ihrem Geburtsjahr 1956 gegründet worden, zunächst als Jahrbuch, dann als schließlich zweimonatlich erscheinendes Periodikum weitergeführt. An dieser Zeitschrift lässt sich exemplarisch die Geschichte der DDR-Gesellschaft nachvollziehen. Ihre ersten Ausgaben veröffentlichten Artikel, die den Geist der sog. Formalismusdiskussion zum Ausdruck brachten. Design wurde als angewandte Kunst verstanden, die ein Medium der sozialistischen deutschen Nationalkultur zu sein hatte. Es ist Redakteuren wie Heinz Hirdina, Hein Köster und Autoren wie Lothar Kühne, Clauss Dietel, Horst Oehlke und vielen anderen zu verdanken, aus form+zweck eine moderne Zeitschrift für die Gestaltung von Gegenstand und Raum in einer sich wandelnden Gesellschaft gemacht zu haben. Angelika Petruschat ist an dieser Arbeit noch einige letzte DDR-Jahre als Fachredakteurin beteiligt gewesen. 1990 übernahm sie dann die Zeitschrift als Chefredakteurin und Herausgeberin, gründete 1993 den form+zweck-Verlag. Zeitschrift und Verlag führte sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Designtheoretiker Jörg Petruschat. Seitdem produzierten sie Bücher, die vielfältige Auszeichnungen für ihre grafische Gestaltung und inhaltliche Qualität bekamen. Die Zeitschrift form+zweck, die schließlich wieder zu einem Jahrbuch wurde, ragte unter den einschlägigen Publikationen in puncto Gestaltung heraus und wurde genauso für die Originalität und Qualität der Themen und Texte geschätzt.  

Angelika Petruschat unterstützte auf vielfältige Weise die Aktivitäten von Studierenden, zum Beispiel als Verlegerin der „Neuwerk“, einer designwissenschaftlichen Zeitschrift, die in Eigenregie von Studierenden der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle herausgegeben wird.

Angelika Petruschats Leben währte nur 62 Jahre. Wir haben eine Kollegin verloren, die uns noch viele wichtige Anregungen für das Nachdenken über und das Machen von Gestaltung hätte geben können.

Michael Suckow

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Zum Ableben von Klaus-Hellmut Kaufmann – Formgestalter und Innenarchitekt 21.03.1924 – 03.02.2018

Ich war Klaus Kaufmann seit der Zeit meines Studiums der Architektur an der TU Dresden (1968 bis 1972) sowohl persönlich als auch fachlich sehr verbunden.

Ich erlebte den Kaufmann’schen Haushalt, seine Frau und er, beides Architekten, als eine für mich ganz neue Welt. Es war ein offenes Haus, es gab einen großen Freundeskreis, es wurde musiziert, viel gelesen und vor allem mit Lust und Engagement viel gearbeitet. Es herrschte, wie man sagt, eine allumfassende Kreativität.

Bereits mit Beginn des Studiums verdingte ich mich bei dem Ehepaar Kaufmann im damaligen Atelier, im Gartensaal der Villa „Sorgenfrei“ in der Radebeuler Oberlößnitz als angehender Architekt als „Zeichenknecht“. Dabei lernte ich unglaublich viel vom Handwerk des Architekten. 
Klaus‘ Arbeitsweise war äußerst komplex. Die Herangehensweise an seine Aufträge war geprägt von dem Ringen nach Perfektion im besten Sinne des Wortes.

Er war besessen vom Detail. Er sagte immer: Du musst um die Ecke denken, das hieß, was man im Grundriss entwickelte, musste auch quasi 3-dimensional durchdrungen werden. Heute, mit der breiten Anwendung der CAD-Zeichentechnik ist das oftmals nicht das Problem (wenn man es beherrscht). Damals wurden die Projekte so ausgelegt, dass neben Grundriss auch sofort Schnitt und Ansicht angelegt wurden, um dieses Um-die-Ecke-Denken frühzeitig prüfen zu können.

Sein Arbeitspensum war atemberaubend: früh waren Baustellen oder Werkstätten zu besuchen, Beratungen zu führen, nachmittags oft bis in den späten Abend hinein wurden die Ergebnisse des Tages gezeichnet und Neues für den kommenden Tag entwickelt.

Neben ganz viel Kaffee, kein Alkohol, kam der Spaß nicht zu kurz, z.B. mit Schallplattenaufnahmen von Emil Steinberger, Karl Valentin oder Spejbl und Hurvínek. In den vielen Stunden der Tätigkeit im Kaufmann’schen Büro lernte ich eine Vielzahl von Kollegen kennen, denen ich noch heute mit großem Respekt und auch Dankbarkeit begegne. Nach seinem – erzwungenen – beruflichen Rückzug war seine Kreativität jedoch ungebremst. Unter anderem war es sein Hobby, die Tages- und Jahresereignisse in Versform zu kommentieren und zu interpretieren. Dabei entstanden herrliche, ungeheuer witzige Wortspiele und Reimereien, so auch in seinen handschriftlichen persönlichen Briefen.

Die letzte große Feier im Hotel Stadt Radebeul war kein runder Geburtstag, sondern ein Treffen mit seinen Weggefährten, Kollegen und Freunden aller Altersgruppen – auch mit Rede, Gesang und Gesprächen – wohl verstanden als Abschied von den von ihm geliebten, doch anstrengenden, großen Veranstaltungen. 
So wollen wir ihn in Erinnerung behalten.

Dr. Dietmar Kunze
(s.a.: Vorschau & Rückblick – Monatsheft für Radebeul und Umgebung, 01.03.2018)

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Klaus-Hellmut Kaufmann

Foto: Horst Hartmann 2016, li. Klaus Kaufmann, re. Horst Hartmann

Publikationen Industriedesign der DDR: Der Berliner Architekt und Sammler Richard Anger hat 3 Publikationen erstellt.

PLASTE VON DER BURG | 1959 BIS 1962
Entwürfe des Instituts für Entwurf und Entwicklung an der 
Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle- Burg Giebichenstein

GEPRESST UND GESCHLEUDERT
Gebrauchsglas aus Schwepnitz von 1957 bis 1991

ERICH HERZOG
Glasgestaltung zwischen Tradition und Moderne
Pressglasentwürfe für den VEB Ankerglas Bernsdorf von 1949 bis 1972

Alle Hefte verfolgen umfassend die jeweilige Thematik
und vereinen erstmals die Produkte im Bild und Nachweise der Gestalter. 
Sie haben jeweils 60 Seiten, Farbdruck und sind broschiert.
Interessenten wenden sich bitte an: richardanger2(at)aol.de

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