18:00 Uhr  Begrüßung: Beate Gerlings, Botschaftsrätin für Kultur und Kommunikation Botschaft des Königreichs der Niederlande.
Dr. Angela Schönberger, mart stam stiftung für kunst und gestaltung, Berlin. Direktorin Kunstgewerbemuseum Berlin a.D.
18:20 Uhr  Dr. Werner Möller, Stiftung Bauhaus Dessau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kuratorische Werkstatt Leben in der Box – Die Suche nach dem rechten Maß. Die frühen Jahre von Mart Stam: Berlin, Schweiz, Stuttgart Weißenhofsiedlung, Bauhaus Dessau, Frankfurt a. M. Hellerhofsiedlung,  Emma Budge Heim.
18:45 Uhr  Anna Abrahams und Jan Frederik Groot, Amsterdam »Building the van Nelle factories«(1991). Filmausschnitt.
18:55 Uhr  Joris Molenaar, Architekt, Rotterdam.  Weltkulturerbe: Die Van-Nelle-Fabrik (1925–1930) in  Rotterdam von Johannes Brinkman und Leendert van der Vlugt unter Mitarbeit von Mart Stam. Vortrag und gemeinsames Gespräch mit Anna Abrahams und Jan Frederik Groot, Eye Filmmuseum Amsterdam.
19:30 Uhr  Dr. Thomas Flierl, Kulturwissenschaftler, Berlin. Mart Stam 1930–1934 in der Sowjetunion: Projekte, Institutionen, Konflikte.
19:50 Uhr  Anna Abrahams und Jan Frederik Groot, Amsterdam »Sotsgorod: Cities for Utopia«(1995).  Filmausschnitt zu Stadtplanungen in der Sowjetunion u.a. zu Magnitogorsk.
20:00 Uhr  Diskussion; anschließend Empfang
 
Ort: Botschaft des Königreichs der Niederlande Berlin, Klosterstraße 50, 10179 Berlin.

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Über A. B., den Grafiker der Vielfalt

Im Jahre 2001 wurde ich gefragt, ob ich über eine Ausstellung von Axel Bertram in der Leipziger Deutschen Bücherei schreiben würde. In dem Jahr feierte A. B. seinen 65. Geburtstag und blickte auf über vierzig Jahre gebrauchsgrafischen Schaffens zurück. Später übergab er, als dieser Ausstellung Teile seines Vorlasses an das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig. Im Text war zu lesen: „A. B. arbeitete in vielen Bereichen, immer mit vollem Engagement, die Herausforderung des Neuen suchend, sich ihr stellend, kritisch prüfend und diese akribisch erfüllend. Er erweist sich als vielseitiger Gebrauchsgrafiker, der seiner Berufsbezeichnung alle Ehre macht. Der Gebrauch von Drucksachen wird durch sein künstlerisches Tun erleichtert, vielfach erst möglich. Was wäre ein Buch ohne die Schriftzeichen, die der Typograf in eine Ordnung bringt, der Illustrator den Text mit seiner Sicht auf den Inhalt bereichert, was wäre eine Zeitschrift ohne ordnendes und gliederndes Layout, ohne eine klare unverwechselbare Titelzeile?“ 1

In der Tat, seine Entwürfe haben jeden begleitet, unbewusst das ästhetische Empfinden der Betrachtenden geprägt. Ein jeder Bürger der DDR hatte die von ihm entworfenen Geldstücke irgendwann einmal sowohl das 20-Pfennig-Stück und die 5-Mark-Münze in der Hand, als auch Sondermünzen zu Jubiläen oder Gedenktagen. Mindestens jede zweite Bewohnerin der DDR ist mit der Wochenpost oder der SIBYLLE groß geworden oder hat eine Titelgrafik auf der NBI oder des neuen leben bewundert. Die Logos für das Jugendradio DT 64, das Berliner Metropol-Theater, das visuelle Erscheinungsbild für die X. Weltfestspiele in Berlin 1973 oder die Staatlichen Museen zu Berlin kannte ein jeder, ebenso wie die Briefmarken Rassegeflügel oder Historisches Spielzeug, gedruckt in gigantischen Auflagen. Der Gebrauchsgrafiker A. B., ist am 16. März, kurz vor seinem 83. Geburtstag, nach langer, schwerer Krankheit in Berlin gestorben.

A. B. kam aus Dresden. Er wurde am 26. März 1936 in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren und wuchs im sächsischen Freital auf. Hier ging er in die Schule, machte Abitur, arbeitete eine kurze Zeit als technischer Zeichner. An die Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee ging er zum Studium von 1955 bis 1960. Bei den Professoren und Arno Mohr, Werner Klemke, Ernst R. Vogenauer und Klaus Wittkugel bekam er das notwendige Rüstzeug für ein Leben als umfassend gestalterisch tätiger Gebrauchsgrafiker. Gleich nach dem Studium fanden sich die Absolventen A. B., Jo Fritsche, Gisela Röder und Klaus Segner zusammen und gründeten die Gruppe 4. Nach dem Ausscheiden von Jo Fritsche 1962 kam Thomas Schleusing hinzu, später Hans-Joachim Schauß. Das Grafikerkollektiv war sehr erfolgreich, auch in der Plakatgestaltung, vor allem für das Metropol-Theater und den Progress-Film-Verleih – unvergessen sind A. B.s Blätter zu den Filmen Der Leopard, Der gewöhnliche Faschismus oder zu Theaterstücken wie My fair Lady oder Die Csardasfürstin.
Nun ist nur Klaus Segner noch unter den Lebenden.

1972 ereilte A. B. der Ruf an die Hochschule in Weißensee, diesmal lehrend. Als Professor trug er von 1977 bis 1992 (mit kurzer Unterbrechung Ende der 1980er Jahre) Wesentliches zur Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses bei. Seine freischaffende Tätigkeit blieb davon unbeeinträchtigt. A. B. entwarf Schriften 2 schrieb Bücher mit der Hand 3, gestaltete und illustrierte zahlreiche Bücher unterschiedlichster Genres. Stets sah er sich in der grafischen Arbeit als Dienender, welcher sich künstlerisch der Aufgabe nähert, eine Handschrift entwickelt, diese jedoch nicht in den Vordergrund, sondern in den Dienst der zu gestaltenden Aufgabe stellt – zum Wohle der Benutzung.

Einen wesentlichen Teil seiner Zeit verbrachte A. B. mit theoretischen  Überlegungen zur künstlerischen Tätigkeit und zur Kunst des Gestaltens. In der Monografie über sein Schaffen 4 werden über 120 theoretische Aufsätze zur Kunst- und Kulturgeschichte und Buchpublikationen aufgelistet. Sie reichen von Betrachtungen zu Buch, Fotografie, Illustration, Kunstgewerbe bis Mode, Plakat, Schrift oder der Arbeit von Kollegen.

In meinen Augen sein bedeutendstes theoretisches Werk erschien 2004: Das
wohltemperierte Alphabet. 5 A. B. verstand es, dem interessierten Laien, ebenso unterhaltsam wie wissend, über ca. 500 Jahre Schriftgeschichte mit zahlreichen gründlichst recherchierten Fakten, einen Überblick zu verschaffen. Gänzlich verzichtete er auf das Dozieren, sondern trug Biographisches und Historisches zusammen. A. B. erklärt, macht noch unbeschriebene Zusammenhänge deutlich und lässt verblüffende Vergleiche zu. Das Buch bringt umfangreiches enzyklopädisches Wissen für die interessierten Schriftbetrachter in einen überschaubaren Kontext. Unter diesem Gesichtspunkt wünschte man sich aus gleicher Feder eine Aufarbeitung der unzähligen Schriftschöpfungen, die nicht mehr für den Bleisatz, sondern die digitalen Techniken entstanden, auch um Bleibendes von Modischem und schnell Überholtem zu trennen. Diese Arbeit muss nun ein anderer übernehmen. Mit Axel Bertram verliert die Design-Szene einen wichtigen und vor allem vielseitigen Gebrauchsgrafiker und Kulturtheoretiker, der mit Bleistift, Feder oder Pinsel ebenso vortrefflich umzugehen verstand, wie mit dem geschriebenen und gesprochenen Wort.

Sylke Wunderlich, 26. März 2019

1 Sylke Wunderlich: Axel Bertram – Gebrauchsgrafik aus vier Jahrzehnten. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 70/2001, 31. August 2001, S. 465–467.
2 Sans Serif 1962/63, Venezia und Lutezia 1976-1982, videtur 1983-1986, Lucinde 1997-1999, Salomo 1999, Lindenau 1999,
Dandy 1999, Rabenau 2003-2012, 2011-2012 Vireo (Ausbau zu open-Type-Fonts mit Andreas Frohloff)
3 Goethe. Buch Suleika aus dem westöstlichen Diwan. Herausgegeben und gestaltet von Axel Bertram. Verlag der Nation
Berlin, 1982; Das Hohe Lied Salomo. Sammlung althebräischer Liebes und Hochzeitslyrik in der Übersetzung von Martin
Luther. Mit der Feder geschrieben und mit allerlei Anmerkungen versehen von Axel Bertram. Verlag der Nation Berlin, 1983
4 Axel Bertram. Grafisches Gestalten in fünf Jahrzehnten. Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Mathias
Bertram. Lehmstedt Verlag Leipzig, 2012
5 Axel Bertram: Das wohltemperierte Alphabet. Eine Kulturgeschichte. Faber & Faber Leipzig, 2004

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Ausstellung: alltag formen ! bauhausmoderne in der ddr

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Designzentrum – Werkstatt für Glasgestaltung Weißwasser

Friedrich Bundtzen und seine Mitarbeiter

Mit einer neuen Sonderausstellung geht die Stiftung schon vor dem offiziellen Start am 1. April in die diesjährige Saison. Im Bauhausjahr kehrt sie zu einer Lausitzer Marke zurück, dem Lausitzer Glas. Dieses ist seit 2012 mehrfach mit verschiedenen Schwerpunkten seiner Design- und Produktions- geschichte in Ausstellungen der Stiftung präsentiert worden. Die nunmehr vierte Ausstellung legt den Schwerpunkt auf die Zeit von 1950 bis 1990 und „präsentiert einen Höhepunkt der industriellen Formgestaltung“, wie Kurator und Leihgeber Sigfried Kohlschmidt betont. Die von Bauhausmeister Wilhelm Wagenfeld inspirierte, 1950 gegründete Werkstatt für Glasgestaltung Weißwasser war für 20 Jahre das Designzentrum der Lausitzer Glasindustrie. Geleitet wurde es von Friedrich Bundtzen. Unter seiner Leitung entstanden Gläser, die bereits in den Jahren ihrer Produktion internationale Anerkenn- ung genossen und heute teilweise als Designklassiker der DDR-Zeit gelten. Die über 500 Leihgaben kommen aus Museen in Weißwasser, Cottbus und Dresden. Den größten Teil aber haben die Kuratoren der Ausstellung und Designsammler Richard Anger, Berlin, und Siegfried Kohlschmidt, Cottbus, zusammengetragen.

Fotos: Richard Anger

Ausstellungszeitraum: 9. März bis 12. Mai 2019

Öffnungszeiten im Neuen Schloß Bad Muskau:
9. März 2019 bis 31. März 2019, immer Mittwoch bis Sonntag, 11–16 Uhr, sowie
1. April 2019 bis 12. Mai 2019, täglich 10–18 Uhr

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Buchpremiere – Buch über Erich John erschienen

Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der URANIA-Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz, die seit dem 13.07.2015 unter Denkmalschutz steht, fand am 25.2.2019 die Buchpremiere “Weltzeituhr und Wartburg-Lenkrad” vom Jaron-Verlag im Kulturkaufhaus Dussmann statt. Die Buchautorin Heike Schüler und Prof. Erich John stellten in einem spannenden Gespräch und mit Lesungen die Entstehung von Buch und Weltzeituhr und die Arbeit von Erich John als Formgestalter und Lehrender an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee vor.

Buchpremiere am 25.2.2019 im Kulturkaufhaus Dussmann / Foto: Cornelia Hentschel

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buch-schueler

Nachruf | Johannes Gunter Schober 16.01.1946-24.07.2017

Obwohl schon seit längerer Zeit kein direkter Kontakt mehr bestand und Informationen nur per Buschfunk bei mir ankamen, hat mich die Nachricht vom viel zu frühen Ableben meines einstigen Kollegen, Kumpels, Mitstreiters und Vorgesetzten Gunter Schober überrascht.

Eine langwierige Krankheit hatte ihn zum Überleben auf die Kanaren gezogen, wo er schließlich auch verstorben und begraben ist. Bei unserer letzten Begegnung in Bautzen vor ca. 20 Jahren war seine große Enttäuschung über die erhofften Möglichkeiten als Gestalter in der Marktwirtschaft und die möglicherweise bereits ausgesprochene Diagnose zu seiner Gesundheit deutlich spürbar. Von seiner Zuflucht in eine gefälligere Region erfuhr ich auch wieder über den Buschfunk und konnte ihn, der stetig rastlos auf der Suche nach Leben war, voll verstehen und seine Entscheidung dazu auch nachvollziehen. Nur ca. 9 Jahre haben wir gemeinsam versucht, die Welt gestalterisch zu verbessern, aber diese Jahre hatten es in sich: 1973 war ich im 4. Studienjahr an der Burg Giebichenstein in Halle mit meinem Vordiplom beschäftigt und gleichzeitig auf der Suche nach einem Diplomthema sowie einer Arbeitsstelle nach dem Studium, da bot mir Gunter Schober an, nach Singwitz bei Bautzen zum Landmaschinenkombinat Fortschritt zu kommen. Ein Diplom-Thema war auch dabei.

Ursprünglich auf meine heimatliche Altmark fixiert, reizte mich aber das Thema Landmaschinen im unbekannten Ostsachsen und die Zusammenarbeit mit diesem umtriebigen Typen, so dass ich schließlich nach dem Studium 1974 meinen Job sowie den künftigen Lebensmittelpunkt samt Familie in Bautzen an der Seite von Gunter Schober fand. Damit begann eine aufregende und sehr intensive Zeit. Obwohl wir anfangs alles andere als optimal im Entwicklungsprozess bei „FORTSCHRITT“ eingebunden waren, bastelte Gunter Schober von Beginn an auf die Anerkennung der Formgestaltung als wesentlichem Bestandteil der Erzeugnisentwicklung hin. In der ersten Zeit war unser gestalterisches Streben in den Konstruktionsbüros wenig beliebt. Da war Schobers selbstbewusstes Auftreten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen oftmals auch Türöffner für unsere gestalterischen Ambitionen. Ich meinerseits konnte davon nur profitieren und nutzte die Erfahrungen für meine eigene, später auch eigenständige Entwicklung.

Kontinuierlich bastelte Gunter an der Entwicklung unserer zunächst kleinen gestalterischen Einheit. Als erstes konnte der Modellbauer Erhard Noack, der schon als Projektbearbeiter unserer erweiterten Arbeitsräume gute Dienste geleistet hatte, in das Team integriert werden. Es folgten Dipl.-Formgestalter Stephan Levko und weitere Mitarbeiter im technischen und organisatorischen Bereich, bis schließlich die Kombinats-Neugründung 1978 zu seiner Ernennung als Chefgestalter des Kombinates führte. Damals stießen die Gestalter-Kollegen Achim Grund, Wolfgang Lippmann, Arndt Schubert und Hans-Joachim Koitsch, mit denen wir auch im Vorfeld schon zusammengearbeitet haben, zu uns. Gunter als neu ernannter Chefgestalter meisterte die Situation ohne Anspruch auf die logische Führungsposition. Als ich Ende 1982 das Gestaltungsbüro in Singwitz aus eigenem Antrieb verließ, war Gunter Schober offensichtlich auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn. Als krönender Abschluss seiner Entwicklung könnte der Designpreis der DDR 1988 gesehen werden. Danach lief es wohl nicht mehr ganz so gut… Ich habe aus dieser Zeit mit G.S. sehr viel für mein späteres Gestalter-Leben mitgenommen und hoffe, dass wir ihn nicht so schnell vergessen.

Rüdiger Laleike
Dipl.-Fomgestalter

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Nachruf | Angelika Petruschat 1956–2018

Angelika Petruschat wurde 1956, 11 Jahre nach dem vorletzten deutschen gesellschaftlichen Zusammenbruch, geboren. Den letzten hat sie auf ihre Weise und mit großem Engagement mitgestaltet. Und zwar in einem Geiste, der auch schon ihre Arbeit, ihre Studien vor 1989 bestimmt hatte. Von der Aufbaugeneration bekamen die nach 1945 Geborenen das Ethos, eine neue Gesellschaft aufzubauen, die niemals wieder in eine solche Katastrophe führen würde, wie das in der jüngsten Vergangenheit zweimal geschehen war. Die „Zweite Generation Ost“ aber wollte einen anderen, richtiger ausgedrückt, einen weiterentwickelten, modernen und nichtautoritären, demokratischen Sozialismus. Im Bereich Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie bis 1983 studierte, fand Angelika Petruschat einen Kreis von Lehrenden und Mitstudierenden vor, in dem sie die geistigen Anregungen dafür bekam. Wolfgang Heise, Lothar Kühne, Karin Hirdina und andere gehörten zu ihren ProfessorInnen.

Nach dem Studium begann Angelika Petruschat ihre Arbeit bei form+zweck, der Fachzeitschrift für Design in der DDR. Die Zeitschrift war in ihrem Geburtsjahr 1956 gegründet worden, zunächst als Jahrbuch, dann als schließlich zweimonatlich erscheinendes Periodikum weitergeführt. An dieser Zeitschrift lässt sich exemplarisch die Geschichte der DDR-Gesellschaft nachvollziehen. Ihre ersten Ausgaben veröffentlichten Artikel, die den Geist der sog. Formalismusdiskussion zum Ausdruck brachten. Design wurde als angewandte Kunst verstanden, die ein Medium der sozialistischen deutschen Nationalkultur zu sein hatte. Es ist Redakteuren wie Heinz Hirdina, Hein Köster und Autoren wie Lothar Kühne, Clauss Dietel, Horst Oehlke und vielen anderen zu verdanken, aus form+zweck eine moderne Zeitschrift für die Gestaltung von Gegenstand und Raum in einer sich wandelnden Gesellschaft gemacht zu haben. Angelika Petruschat ist an dieser Arbeit noch einige letzte DDR-Jahre als Fachredakteurin beteiligt gewesen. 1990 übernahm sie dann die Zeitschrift als Chefredakteurin und Herausgeberin, gründete 1993 den form+zweck-Verlag. Zeitschrift und Verlag führte sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Designtheoretiker Jörg Petruschat. Seitdem produzierten sie Bücher, die vielfältige Auszeichnungen für ihre grafische Gestaltung und inhaltliche Qualität bekamen. Die Zeitschrift form+zweck, die schließlich wieder zu einem Jahrbuch wurde, ragte unter den einschlägigen Publikationen in puncto Gestaltung heraus und wurde genauso für die Originalität und Qualität der Themen und Texte geschätzt.  

Angelika Petruschat unterstützte auf vielfältige Weise die Aktivitäten von Studierenden, zum Beispiel als Verlegerin der „Neuwerk“, einer designwissenschaftlichen Zeitschrift, die in Eigenregie von Studierenden der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle herausgegeben wird.

Angelika Petruschats Leben währte nur 62 Jahre. Wir haben eine Kollegin verloren, die uns noch viele wichtige Anregungen für das Nachdenken über und das Machen von Gestaltung hätte geben können.

Michael Suckow

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Zum Ableben von Klaus-Hellmut Kaufmann – Formgestalter und Innenarchitekt 21.03.1924 – 03.02.2018

Ich war Klaus Kaufmann seit der Zeit meines Studiums der Architektur an der TU Dresden (1968 bis 1972) sowohl persönlich als auch fachlich sehr verbunden.

Ich erlebte den Kaufmann’schen Haushalt, seine Frau und er, beides Architekten, als eine für mich ganz neue Welt. Es war ein offenes Haus, es gab einen großen Freundeskreis, es wurde musiziert, viel gelesen und vor allem mit Lust und Engagement viel gearbeitet. Es herrschte, wie man sagt, eine allumfassende Kreativität.

Bereits mit Beginn des Studiums verdingte ich mich bei dem Ehepaar Kaufmann im damaligen Atelier, im Gartensaal der Villa „Sorgenfrei“ in der Radebeuler Oberlößnitz als angehender Architekt als „Zeichenknecht“. Dabei lernte ich unglaublich viel vom Handwerk des Architekten. 
Klaus‘ Arbeitsweise war äußerst komplex. Die Herangehensweise an seine Aufträge war geprägt von dem Ringen nach Perfektion im besten Sinne des Wortes.

Er war besessen vom Detail. Er sagte immer: Du musst um die Ecke denken, das hieß, was man im Grundriss entwickelte, musste auch quasi 3-dimensional durchdrungen werden. Heute, mit der breiten Anwendung der CAD-Zeichentechnik ist das oftmals nicht das Problem (wenn man es beherrscht). Damals wurden die Projekte so ausgelegt, dass neben Grundriss auch sofort Schnitt und Ansicht angelegt wurden, um dieses Um-die-Ecke-Denken frühzeitig prüfen zu können.

Sein Arbeitspensum war atemberaubend: früh waren Baustellen oder Werkstätten zu besuchen, Beratungen zu führen, nachmittags oft bis in den späten Abend hinein wurden die Ergebnisse des Tages gezeichnet und Neues für den kommenden Tag entwickelt.

Neben ganz viel Kaffee, kein Alkohol, kam der Spaß nicht zu kurz, z.B. mit Schallplattenaufnahmen von Emil Steinberger, Karl Valentin oder Spejbl und Hurvínek. In den vielen Stunden der Tätigkeit im Kaufmann’schen Büro lernte ich eine Vielzahl von Kollegen kennen, denen ich noch heute mit großem Respekt und auch Dankbarkeit begegne. Nach seinem – erzwungenen – beruflichen Rückzug war seine Kreativität jedoch ungebremst. Unter anderem war es sein Hobby, die Tages- und Jahresereignisse in Versform zu kommentieren und zu interpretieren. Dabei entstanden herrliche, ungeheuer witzige Wortspiele und Reimereien, so auch in seinen handschriftlichen persönlichen Briefen.

Die letzte große Feier im Hotel Stadt Radebeul war kein runder Geburtstag, sondern ein Treffen mit seinen Weggefährten, Kollegen und Freunden aller Altersgruppen – auch mit Rede, Gesang und Gesprächen – wohl verstanden als Abschied von den von ihm geliebten, doch anstrengenden, großen Veranstaltungen. 
So wollen wir ihn in Erinnerung behalten.

Dr. Dietmar Kunze
(s.a.: Vorschau & Rückblick – Monatsheft für Radebeul und Umgebung, 01.03.2018)

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Klaus-Hellmut Kaufmann

Foto: Horst Hartmann 2016, li. Klaus Kaufmann, re. Horst Hartmann

Publikationen Industriedesign der DDR: Der Berliner Architekt und Sammler Richard Anger hat 3 Publikationen erstellt.

PLASTE VON DER BURG | 1959 BIS 1962
Entwürfe des Instituts für Entwurf und Entwicklung an der 
Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle- Burg Giebichenstein

GEPRESST UND GESCHLEUDERT
Gebrauchsglas aus Schwepnitz von 1957 bis 1991

ERICH HERZOG
Glasgestaltung zwischen Tradition und Moderne
Pressglasentwürfe für den VEB Ankerglas Bernsdorf von 1949 bis 1972

Alle Hefte verfolgen umfassend die jeweilige Thematik
und vereinen erstmals die Produkte im Bild und Nachweise der Gestalter. 
Sie haben jeweils 60 Seiten, Farbdruck und sind broschiert.
Interessenten wenden sich bitte an: richardanger2(at)aol.de

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